Behandlung

Diabetische Neuropathie: frühzeitig erkennen - rechtzeitig behandeln.

Die diabetische Neuropathie gehört zu den häufigsten Folgeerkrankungen des Diabetes. Sie kann unbehandelt oder falsch behandelt zu schwerwiegenden Komplikationen wie dem diabetischen Fußsyndrom – im schlimmsten Fall zur Amputation – führen. Daher ist es wichtig, die ersten Warnsignale dieser diabetischen Folgeerkrankung frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu therapieren. Die beste Möglichkeit, um diabetesbedingten Erkrankungen vorzubeugen, ist eine gute Blutzuckereinstellung (s. Vorsorge).

Bei der Behandlung der diabetischen Neuropathie hat sich eine Therapie nach dem sogenannten „Drei-Säulen-Schema“ bewährt.

Vorsorge

Gesund leben trotz Diabetes – was kann man sich Gutes tun?

Gesund leben trotz Diabetes – wie Sie einer Neuropathie vorbeugen können.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen diabetesbedingte Komplikationen ist eine konsequente Blutzuckereinstellung. Messen Sie daher in Absprache mit Ihrem Arzt* zu definierten Zeiten Ihren Blutzucker. Außerdem sollten Ihr Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) sowie Blutdruck, Taillenumfang, BMI und Blutfette kontrolliert werden.

Achten Sie auf sich selbst: Behandeln Sie Ihr „Nervenkostüm“ pfleglich. Reduzieren Sie Stress und vermeiden Sie nervenschädigende Einflüsse wie Alkohol und Nikotin weitgehend.

Eine ausgewogene Ernährung, verbunden mit ausreichend Bewegung, ist in jeder Hinsicht gut für die Gesundheit. Menschen mit diabetischer Neuropathie sollten jedoch vor dem Sport mit ihrem Arzt über Möglichkeiten und Einschränkungen sprechen. Denn nicht jeder Sport belastet die Füße in gleichem Maße. Wichtig ist aber in jedem Fall: das passende Schuhwerk (diabetikergerechte Schuhe oder Einlagen). Patienten sollten zudem am besten täglich ihre Füße untersuchen und pflegen. (Tipps s. hier)

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt! In strukturierten Schulungen erfahren Sie alles rund um eine gesunde Lebensführung bei Diabetes. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, welche Angebote es in Ihrer Nähe gibt. Denn ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Diabetes kann dazu beitragen, Folgeerkrankungen wie die diabetische Neuropathie aufzuhalten oder Komplikationen zu verhindern.

 

* Gleichstellungshinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir darauf verzichtet, männliche und weibliche Sprachformen gleichzeitig zu verwenden. Sämtliche Formulierungen gelten für beiderlei Geschlecht.

Therapie

Wie lässt sich eine diabetische Neuropathie behandeln?

Die Therapie der diabetischen Neuropathie fußt auf drei Säulen.

Die erste Säule der Therapie steht für eine individuell angepasste Diabeteseinstellung. Der Arzt* berücksichtigt bei der Verordnung eines Antidiabetikums (z. B. Metformin) das Alter, die persönlichen Lebensumstände und -bedürfnisse sowie die Begleiterkrankungen des Patienten. Menschen mit Diabetes sollten zudem ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren sowie auf einen aktiven und gesunden Lebensstil achten. Das heißt, sie sollten sich bewusst ernähren, regelmäßig bewegen, auf ihr Gewicht achten, weniger oder keinen Alkohol trinken und nicht rauchen.

Zusätzlich gibt es Möglichkeiten, die nerven- und gefäßschädigenden Auswirkungen des erhöhten Blutzuckers zu reduzieren. Das ist das Ziel der zweiten Therapie-Säule. Ein Wirkstoff, der schädliche Stoffwechselwege blockieren und die Symptome der diabetischen Neuropathie lindern kann, ist Benfotiamin, eine Vitamin-B1-Vorstufe. Die vitaminähnliche Substanz kann die Bildung der aggressiven Zuckerabbauprodukte (AGEs, Advanced Glycation Endproducts), die durch die Überzuckerung des Blutes vermehrt entstehen, hemmen. So wirkt der gut verträgliche Wirkstoff bei regelmäßiger Einnahme sowohl den Beschwerden wie Kribbeln, Brennen, Schmerzen und Taubheit in den Füßen als auch der Nerven- und Gefäßschädigung entgegen.

Präparate, die den Wirkstoff Benfotiamin
(z. B. milgamma®protekt) enthalten,
können rezeptfrei in der Apotheke
erworben werden.

Diese Medikamente können mit anderen
Diabetes-Präparaten – einschließlich
Insulin – und Herz-Kreislauf-Medikamenten
kombiniert werden.

Die dritte Säule der Therapie kommt zum Einsatz, wenn die Symptome so stark werden, dass sie die Lebensqualität beeinträchtigen. Bei der so genannten symptomatischen Therapie verordnet der Arzt Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem wirken. Dazu zählen Antidepressiva, Antiepileptika und Opioide. Diese Arzneimittel können die Neuropathie nicht heilen oder aufhalten, sondern nur die Beschwerden reduzieren. Da diese Arzneimittel potenzielle Nebenwirkungen haben, muss der Arzt Nutzen und Risiken abwägen. Diese Therapie kann durch Behandlungsmöglichkeiten wie Psychotherapie, Akupunktur oder Verhaltenstherapie ergänzt werden.

 

* Gleichstellungshinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir darauf verzichtet, männliche und weibliche Sprachformen gleichzeitig zu verwenden. Sämtliche Formulierungen gelten für beiderlei Geschlecht.